Eine fast heile Welt? – Ausflug an die Mosel

Eigentlich hatte ich ja ein neuen Katzen-Post versprochen – aber ich denke, Ihr könnt verkraften, dass ich den Plan kurzfristig über den Haufen werfen muss. Naja – mit Plänen mit der Halbwertszeit von der Lebenserwartung einer Eintagsfliege sind wir inzwischen alle vertraut .

Also – heute ein Kurzbericht aus dem Themenfeld „Wanderung & Ausflüge“. Wir haben uns am 1. April einen freien Tag genommen. Der Plan (noch einer!) war, Julikas Heimatregion, der Mosel, einen Besuch abzustatten, dort E-Bikes auszuleihen und zumindest ein Eis zu essen. In der heutigen Zeit ja fast schon ein verwegenes Unterfangen.

Das Wetter sollte gut mitspielen (über 25 Grad und sonnig) und als Bonus gab es eine Region mit sehr niedrigen Corona-Inzidenzen oben drauf (deutlich unter 50 Fälle / 100.000 Einwohner). OK, zugegeben – das war ein durchaus wichtiges Argument.

Die Vor-Vorbereitung

Da in der Region die Außengastronomie öffnen darf, haben wir uns entschieden, am Vorabend einen Corona-Schnelltest zu machen (mit Termin). Das ist ja die notwendige Eintrittskarte. Dementsprechend haben wir als zwei Home-Office’ler unseren ersten Schnelltest in der ortsansässigen Apotheke durchgeführt.

Formular ausgefüllt, Stäbchen in Mund und Nase, Tränen unterdrückt (Spaß ist anders) und freudig die Bescheinigung entgegen genommen, die „Freiheit und Normalität“ verspricht (jaja, ich weiß – ein wenig theatralisch, aber man muss ja einen Spannungsbogen aufbauen).

Und dann musste auch noch das Auto vom Dreck und Staub des Winters befreit werden. Klar wollten wir offen fahren – aber man konnte sich dem Vehikel ja nicht nähern, ohne sich zu beschmieren ….

Ach – vergessen. Schon Tage vorher hatten wir selbstredend auch die E-Bikes reserviert. Da ist an der Mosel immer großer Andrang – und an einem Osterwochenende bei guten Wetter in der Situation … Für Donnerstag war das dann aber gar kein Problem.

Teil 1 – die Vorbereitung

Für einen freien Tag sind wir dann echt früh aufgestanden, gefrühstückt, Katzen versorgt, ein paar Sachen in einen Rucksack gepackt und dann ging’s über die Landstraßen knapp 1 1/2 Stunden nach Trarbach zum Zweirad Wagner:

Wir haben auf dem großen Parkplatz direkt unter der Moselbrücke geparkt. Normalerweise ist hier immer die sprichwörtliche Hölle los und einen Parkplatz zu finden ist nicht gerade leicht. Ganz anders diesmal. Alles leer – total untypisch. Aber das war uns ja nur recht sein.
Das Ausleihen der Räder klappt dann reibungslos und schnell. Da wir ja auch schon das zweite Mal E-Bikes ausleihen, sind wir natürlich auch schon Voll-Profis!

Teil 2 – Erst die Arbeit ….

Kurze Eingewöhnung an die Räder, dann ging’s von Traben-Trarbach rechts-moselanisch flußaufwärts zu unserem Ziel für eine Mittagspause nach Bernkastel-Kues (tut mir leid – ich hab mir diese seltsamen Doppelnamen nicht ausgedacht – die stehen so auf den Schildern ).

Anfangs war es noch echt kühl, vor allen auch durch den Fahrtwind. Wir waren echt froh, dass wir entgegen des ursprünglichen Plans (der zweite von oben) doch ein Vlies bzw. eine Sportjacke mitgenommen hatten.

Auch wenn wir das Bauwerk jetzt schon des Öfteren gesehen haben – unter der immer noch recht neuen Hochmosel-Brücke (Eröffnung Herbst 2019) durch zu fahren, ist schon ein „Hingucker“. Sind ein paar Meter:

Wir waren ja letztes Jahr schon mal in Bernkastel-Kues – ist halt eines der bekannten, wie man so schön in Reiseführern lesen kann – idyllisch/romantisch/malerischen Moselörtchen. Naja, kann man so oder so sehen. Von dem wirklich schönem Kopfsteinpflaster sieht man üblicherweise aufgrund der Vielzahl der schlendernden und Foto schießenden Tourist nix.

Und auch hier das gleiche Bild: Menschenleere Plätze und Gassen! Schon ein wenig gespenstig. Bis auf ein paar Boutiquen hatte kaum ein Laden auf. Insbesondere auch kaum ein Restaurant – das hatten wir anders erwartet. Vielleicht, weil kaum ein Laden die Möglichkeit zur Außenbewirtung hat.

Aber ein Eis-to-Go gab’s natürlich schon. Das war auch wirklich richtig gut.

So gestärkt, ging’s dann an den anstrengendsten Teil des Tages: Julika hatte geplant, dass wir hoch zur Burg „Landshut“ fahren. Vor allem ich hatte da echt zu kämpfen – man merkte doch sehr deutlich, dass die E-Bikes nicht so „gelände-gängig“ waren wie die, die wir das letzte Mal ausgeliehen hatten. Das waren zwar keine Mountainbikes, aber zumindest mal robuste Trecking-Räder.

Aufgeben ist bekanntermaßen ja keine Option, also sind wir auch oben angekommen. In der Ruine ist ein recht gutes Restaurant – aber leider komplett geschlossen. Ein paar wenige Touris haben wir angetroffen. Wir sind einmal über das Gelände bzw. durch das Gemäuer geschlendert und haben es uns dann hoch über der Mosel auf so einer „Sinnesbank“ (nennt man die so?!) gemütlich gemacht und den Ausblick genossen ….

Auf dem Rückweg wollten wir eigentlich ein wenig durch die Weinberge fahren – so wie wir das auch das letzte Mal schon gemacht haben. Letztlich sind wir dann aber doch wieder runter an die Mosel gefahren, weil das mit den Rädern doch recht mühsam war und wir uns nicht so wirklich sicher damit gefühlt haben.
Immerhin – jetzt wissen wir, dass wir eher der Trecking- oder Mountainbike-Typen sind ….

Teil 3 – dann das Vergnügen

Julika hatte im Vorfeld versucht, einen Platz in einem Restaurant zum Essen zu buchen. Grundsätzlich wäre ein Mittagessen in Bernkastel-Kues-Kues (oder Umgebung) genauso gut gewesen, wie ein „Abendessen“ in Traben-Trarbach, nachdem wir die E-Bikes wieder abgegeben hätten.

Die Story ist eigentlich einen eigenen Blog-Eintrag wert – Julika hat mehrere Stunden investiert, aber letztlich ist einfach NICHTS herausgekommen.

Direkt an der Brücke in Trarbach mit großer Terrasse über der Mosel gibt es ein Restaurant – eine große mit Kreide beschriftete Tafel versprach auch „geöffnet“. Morgens um 11 Uhr war allerdings noch niemand da. Naja – ich habe dann den Tag über ein paar mal versucht dort anzurufen um einen Platz zu reservieren. Es ging aber jedesmal der Anrufbeantworter dran. Lange Rede, kurzer Sinn – der Laden hatte überhaupt nicht geöffnet. Nicht, dass der Anrufbeantworter das verraten hätte. Oder die Website. Oder jemand das Schild „geöffnet“ einfach mal reingestellt hätte ….

Ein klein wenig frustriert waren wir schon. Die Überlegung war dann, evtl. in Cochem nach einem geöffnetem Restaurant zu schauen, oder dann zu Hause etwas zu bestellen.

Glücklicherweise haben wir dann aber entschlossen, einfach mal über die Brücke rüber in die „Altstadt“ von Traben zu laufen. Abends um halb 6 wirft die Sonne schönes weiches Licht ins Moseltal.

Uns ist dann das „Moselschlößchen“ ins Auge gefallen – auf der Terrasse waren einige große Ampelschirme aufgespannt und je näher man kam, konnte man erkennen, dass dort auch Leute saßen! Ein 4-Sterne Hotel mit einer schönen Anlage. Allerdings war das im Vorfeld schon rausgefallen, weil – ratet mal – die Website informierte, dass geschlossen sei. Aber das galt nur für das Restaurant, nicht aber für die Terrasse.

Also sind wir mit FFP2-Maske und unseren Selbsttest-Bescheinigungen dort aufgeschlagen. Der wirklich sehr nette Mensch, der die Eingangskontrolle vorgenommen hat, hat uns dann informiert, dass es eine Liste von „zugelassenen“ Tests gibt – und er muss unsere Bescheinigung dementsprechend abgleichen. Und ratet mal – das Testfabrikat steht auf unseren Bescheinigungen wohl gar nicht -oder nicht eindeutig- drauf.

Nach Rücksprache mit dem Vorgesetzten und erneutem Abgleich haben sie uns dann aber reingelassen. Der „Biergarten“ hat geöffnet – aber natürlich unter entsprechenden Bedingungen. Außer am eigenen Tisch muss wie üblich eine Maske getragen werden. Die Bestellung aus der -sehr eingeschränkten- Karte wird am „Kiosk“ aufgenommen und bezahlt. Es gibt keine Bedienung am Platz – Speisen und Getränke müssen am Kiosk abgeholt werden.

Aber alles egal … man sitzt dort wirklich sehr schön. Auf der Karte steht Fingerfood – aber wie man es von einem besseren Restaurant erwarten kann, eine kleine aber feine Auswahl. Ach – und geschmeckt hat es auch noch.

Der Abspann – der Rückweg

Nach einem schönen Tag ging’s dann „offen“ die Mosel entlang. In Cochem haben wir dann nochmal einen Stopp eingelegt. Wir hatten schon eine Weile kein Eis mehr – genauer seit der Mittagspause. Eine prima Idee zum Nachtisch und in Cochem kennt Julika eine gute Eisdiele.

Große Hoffnung hatten wir ja nicht – aber dass wir Cochem derart ausgestorben und gespenstig vorfinden würden, hätten wir dann doch nicht gedacht. Nur für die, die Cochem nicht kennen: Ich sag’s mal so – das Palma, der „Ballermann“ der Mosel – unnötig zu erwähnen – ein Eis haben wir natürlich nicht bekommen …