Heute habe ich eine Geschichte, die man sich so wohl kaum ausdenken kann 🙄 und die uns mit einem lachenden, und einem weinenden Augen hinterlässt.
Was ist passiert … ich glaube, ich habe es hier überhaupt nicht geschrieben, weil es für mich immer noch so furchtbar traurig ist . Im Mai letzten Jahres, genauer am 10. Mai 2022 ist unser Kater Thorin nicht mehr nach Hause gekommen 😭😭😭
Wir haben viele Wochen intensiv nach ihm gesucht, Plakate aufgehängt, bei Straßenmeisterei, der Gemeinde, Tierheimen angerufen. Thorin ist spurlos verschwunden. Es gibt kein Zeichen von ihm, weder ein gutes, aber auch kein schlechtes. Natürlich gibt man die Hoffnung nie auf. Das ist jetzt fast 1 1/2 Jahre her 😞.
1. Akt: Ein völlig unerwarteter Anruf
Diese Woche Montag war ich wie üblich im Home Office und irgendwann klingelt es. Ein Nachbar steht vor der Tür und drückt mir einen Zettel in die Hand, auf dem handschriftlich ein Name und eine Telefonnummer ohne Vorwahl notiert ist:
Eine Frau aus dem Ort habe ihn angerufen – sie hätte einen schwarzen Kater gesichtet, der sich bei ihr „rumtreibt“. Unser Nachbar wusste auch nicht, warum die Frau bei ihm gelandet ist, aber er hat an uns gedacht – die Suchplakate hängen ja immer an unserem Zaun 🥺.
Ich habe dann am frühen Nachmittag die Nummer angerufen – und die sehr freundliche Frau am Telefon bestätigte die Geschichte. Ein schwarzer Kater, der anscheinend kein Zuhause hat, hat sich bei Ihr im Wintergarten „eingerichtet“ 😳. Sie füttert ihn seit einigen Wochen, kann ihn aber nicht rein lassen, da sie selber eine blinde Katzendame hat – das funktioniert natürlich nicht. Ich habe vorgeschlagen, dass ich kurz nach 5 Uhr vorbei komme und mir den Kater ansehe.
2. Akt: Thorin – bist Du es!?!
Das Ganze ist nur 500 Meter Luftlinie entfernt von uns. Es war etwas regnerisch und wurde schon dunkel, als ich geklingelt habe. Eine sehr nette Frau öffnete und freute sich offensichtlich sehr, dass ich da war 😊. Sie hat sich fast entschuldigt, dass sie das Tier nicht aufnehmen kann und würde den Kater so gerne vor dem Winter in einem guten Zuhause wissen.
Ich hatte eigentlich nicht damit gerechnet, das Tier auch ausgerechnet dann dort anzutreffen 🙄 und hatte das iPad mit Bildern von Thorin mit, um sie vorzuzeigen. Aber tatsächlich kam der Kater sofort zu uns gelaufen – und mir ist echt einen Moment lang das Herz stehen geblieben 😳:
Der große, komplett schwarze Kater, der da auf mich zu kam, sieht tatsächlich aus wie unser Thorin 🥰 !!! Auch bei näherer Betrachtung stimmt da einfach alles – die etwas gedrungene Statur, der riesige breite Kopf mit den eher eng stehenden grünen Augen, der eher kurze buschige Schwanz und die breiten Pranken …. das ist Thorin 🥰 ! Er war in einem erstaunlich guten Zustand – gar nicht abgemagert, glänzendes Fell und sehr zutraulich und super schmusig.
Ich war völlig perplex. Was nun – es war völlig klar, dass ich den Kater auf jeden Fall zu uns mitnehme und dann weiter schaue. Ich war die Strecke gelaufen, aber ich musste ja eine Transportbox holen – zum Tragen ist es dann doch zu weit und dann bestand die Gefahr, dass er doch noch entwischt.
Aber die „Finderin“ hat ihre Katzenbox geholt, in die wir Thorin nach einigem Hin- und Herr dann auch rein bekommen haben. Die Box ist eher klein – der Kater eher groß und fand das nicht gerade gut 🙄. Ich wollte die Box dann kurz stehen lassen und ein Auto holen, aber die Finderin hat mich dann kurzerhand gefahren. Sie war genauso glücklich wie ich, dass ihr Fundkater ein Zuhause hat und sich nicht weiter draußen durchschlagen muss 😊.
Wenn man Mitglied in einem Tierschutzverein ist, bei uns die Katzenhilfe Westerwald, hört man leider immer viel zu viele Horrorgeschichten wie gleichgültig oder grausam Menschen den Tieren gegenüber sind 😞. Umso schöner ist es, wenn man auf jemanden trifft, der das genaue Gegenteil ist … 🥰
3. Akt: Quarantäne für den Ausreißer
Zu Hause habe ich den Kater dann erstmal in den Abstellraum eingeschlossen 🙄 und-die Transportbox direkt wieder mitgegeben. Julika war noch im Büro in Koblenz – oder auf dem Rückweg. In Windeseile habe ich unten den „Saunaraum“ für eine Katzen-Quarantäne vorbereitet: Futter, Wasser und Katzenklo reingestellt. Plus einige kuschelige Decken und eines der Katzenmöbel mit einer Höhle zum verstecken. So hatten wir das auch mit den beiden letzten Mitbewohnern (Neo & Maze – Geschichte siehe hier bzw. hier) gemacht – das hat sehr gut funktioniert und bevor Thorin wieder normalem Kontakt mit den anderen haben darf, muss er natürlich erst beim Tierarzt durchgecheckt werden 🙄. Zumindest Flöhe dürften wohl auch ein Thema sein. Also erstmal Quarantäne 😊.
Ich hatte ihn kaum umgesiedelt, da kam dann auch Julika nach Hause. Ich musste logischerweise alles andere liegen lassen und ich habe sie sofort runter in die Sauna geführt – wo gerade ein großer schwarzer Kater eine genauso große Portion Nassfutter vertilgt hat 😊.
Auch Julika war natürlich aus dem Häuschen. Wir haben den ganzen Abend immer wieder nach dem Ausreißer geschaut, ihn gestreichelt und uns mit ihm beschäftigt – eine Kamera in den Raum gestellt, über den wir jederzeit nachsehen konnten, was er macht, wie es ihm geht 🙄.
Thorin ist ja als „Draußenkater“ geboren worden und er hat sich immer schon draußen besonders wohl gefühlt. Dort kam er auch immer sofort an, wenn er gerufen wurde, warf sich hin und wurde gerne gestreichelt 🥰. Aber jetzt war er soooo schmusig! Er strich uns unentwegt um die Beine, suchte unsere Hände, ließ sich hochheben und streicheln.


Zwischenspiel:
Natürlich war die Frage, wie wir feststellen konnten, ob es tatsächlich Thorin ist 🙄. Thorin ist gechiped – d.h. ein ganz kleiner Chip mit einer weltweit eindeutigen Nummer wird unter die Haut mit einer Spritze „implantiert“. Mit einem entsprechenden Gerät kann die Nummer ausgelesen werden – so etwas haben üblicherweise aber nur die Tierärzte, Tierheime und Co. Deswegen werden Tiere auch oft zusätzlich wie früher in den Ohren mit einer (anderen) Nummer tätowiert – auch Thorin. Auch wenn man die Tätowierung oftmals leider nicht mehr lesen kann, sieht man zumindest, dass eine Tätowierung vorhanden ist und damit das Tier vermutlich auch ein Zuhause hat.
Mit einer dieser Nummern muss man dann sein Tier auch registrieren, damit man im Zweifelsfall den oder die Besitzerin ausfindig machen kann – so wie in unserem Fall jetzt.
Zumindest in Deutschland ist TASSO e.V. das zentrale Register für Haustiere: https://www.tasso.net
4. Akt: Zwischen Bangen und Hoffen
Julika hat sofort über das Internet-Formular unserer Tierärztin einen Termin für einen allgemeinen Gesundheitscheck und vor allem auch zum Auslesen des Chips (falls dann einer vorhanden ist) gebucht. Trotzdem haben wir nach weiteren Merkmalen gesucht …. das grobe äußere Erscheinungsbild war ja absolut passend. Erste Zweifel kamen auf, als wir keine Tätowierung in den Ohren erkennen konnten 🙄. Aber das Licht war eher schlecht und der Kater hat auch nicht gerade „still“ gehalten, weil er immer unsere Hände gesucht hat.
Außerdem haben wir dann in unser umfangreichen Foto-Bibliothek Bilder von Thorin rausgesucht und Details verglichen. Und wie das so ist – natürlich findet man Dinge, die nicht 100% stimmig sind 🥺. Thorin hat auf vielen Bildern kleine weiße Härchen in den Ohren – das hat unser Fundkater nicht 🙄. Aber 1 1/2 Jahre sind ja auch eine wirklich lange Zeit, wenn sich ein Tier draußen durchschlägt. Julika hatte Zweifel – vielleicht auch weil Sie sich nicht traute sich zu freuen- aber für mich war das unser Kater.
Unabhängig davon haben wir beide den schweren Kerl sofort ins Herz geschlossen – vielleicht nicht soooo verwunderlich 😊. Einmal ist unsere kleine schwarze Katzendame Mazikeen (Rufname Maze) mit in den Raum gehuscht. Normalerweise dürfen unsere Vierbeiner da auch gar nicht rein, dem entsprechend war das besonders interessant 😊. Aber auch das war erstaunlich unproblematisch – die beiden haben sich kurz beschnuppert und Maze hat den Raum erkundigt, bevor wir sie dann wieder rausgeworfen haben ….
5. Akt: Der nächste Tag – Besuch bei der Tierärztin
Am nächsten Tag hatten wir am späten Nachmittag den Termin bei der Ärztin. Julika musste arbeiten, aber ich konnte mich so organisieren, dass ich den Termin wahrnehmen konnte. Den ganzen Tag kreisten die Gedanken um den schwarzen Kater, die Zweifel – die Hoffnung 😞.
Als es dann endlich soweit war, hat der arme Kerl während der Fahrt laut und Herz-zerreißend gejammert 😥. Thorins Impfpass mit der Registrierungsnummer hatte ich dabei und als er dann auf dem Behandlungstisch saß, war das wie der Klischee-hafte High-Noon aus einem Western …. Luft anhalten, Trommelwirbel: Das Lesegerät findet einen Chip – aber es ist nicht Thorin 😞😥
Wichtiger als meine Enttäuschung war aber der Kater, wie es ihm geht. Auch wenn er nicht so aussah – ein verwildetes Tier ist leider anfällig für viele Krankheiten 🙄. Er hat auf dem Tisch so laut geschnurrt, dass es der Ärztin kaum möglich war ihn richtig abzuhören. Aber bis auf die wohl unvermeidlichen Flöhe ist der Kater gesund! Gegen die Flöhe hat er direkt ein Spot-on bekommen und mit der ausgelesen Registrierungsnummer sollten wir sein Zuhause ausfindig machen können. Und wenn nicht – dann würden wir ihn bei uns aufnehmen 😊. Das war uns schon nach einem Tag klar – so dankbar wie er ist, muss man ihn einfach ins Herz schließen 🥰.
6. Akt: Wer bist Du?
Wieder zu Hause schlug dann die Enttäuschung und Traurigkeit durch 😥. Für einen Tag hatte ich wirklich geglaubt, dass wir unseren Thorin nach 1 1/2 Jahren wieder gefunden hatten 😥😞.
Aber wir hatten einen super lieben Fundkater, der ganz genauso ein gutes Zuhause verdient hat. Das war jetzt erstmal das Wichtigste. Die erste Anlaufstelle ist wie oben geschrieben TASSO. Wir hatten am Abend zuvor schon in der TASSO-App die Suchmeldungen aus der weiteren Umgebung nach schwarzen Katern abgesucht – aber waren nicht fündig geworden. Er schien nicht als „vermisst“ gemeldet zu sein – was am Abend zuvor noch eine gute Nachricht war, weil damit die Chance stieg, dass es Thorin ist- aber jetzt dann keine gute Nachricht mehr ist 😬.


Mit der Chipnummer kann man auf der TASSO-Website abfragen, ob das Tier registriert ist und direkt melden, dass man das Tier entweder „gesehen“ oder „gefunden“ hat. Und tatsächlich: Die Abfrage ergibt einen Treffer – der schwarze Kater heißt OTTO!

Um Missbrauch und Betrug zu verhindern (Menschen sind leider gerade in diesem Bereich sehr „kreativ“ 🙄) wird nicht angezeigt, woher OTTO kommt, wer die BesitzerIn ist. Dazu schickt man das „Fundformular“ an TASSO. Die Mitarbeitenden kontaktieren dann den oder die Besitzerin. Es war schon nach 5 Uhr, aber TASSO hat eine 24-Stunden Hotline. Jetzt blieb uns nur abzuwarten 🙄. Wie so oft ist die Ungewissheit besonders schlimm. Ist jemand unter den hinterlegten Kontaktinformationen erreichbar? Wie lange ist Otto verschwunden – wird es überhaupt vermisst (sorry, das ist nicht nett, aber natürlich macht man sich alle möglichen Gedanken ….).
7. Akt: Otto aus Weilburg
Tatsächlich hat es dann überhaupt nicht lange gedauert, bis sich ein älterer Mann telefonisch bei uns gemeldet hat 👍! Ein sehr freundlicher, angenehmer Mensch – wir haben relativ lange miteinander telefoniert. Otto kommt aus Weilburg – das sind Luftlinie mehr als 30 Kilometer Entfernung 😳! Der Besitzer hat uns einiges von Otto und sich erzählt – er hat leider gerade einen schweren Schicksalsschlag im privaten Umfeld zu bewältigen 🙄.
Otto ist inzwischen stolze 13 Jahre alt und lebt seit dem ersten Lebensjahr bei seinen Besitzern 😊. Es gibt im Haushalt auch noch eine junge Katzendame, die extra für Otto geholt worden war, damit er Gesellschaft hat. Der Plan hat aber wohl nur mittelmäßig funktioniert. Irgendwann im August diesen Jahres (2023) ist Otto von einem seiner Ausflüge nicht mehr nach Hause gekommen 😞.
Letztlich wir haben dann abgesprochen, dass Otto direkt am nächsten Tag abgeholt wird.
Der Abend war sehr seltsam. Meine Enttäuschung, dass wir Thorin doch nicht wieder hatten 😞. Die Freude für Otto, dass er sein Zuhause wieder bekommen würde – aber auch ein klein wenig Traurigkeit, weil wir ihn so ins Herz geschlossen haben 🙄.
Das war der Halloween Abend – sprich wir sind immer zwischen Haustür & mehr oder weniger phantasievoll verkleideten kleinen Menschen und Otto hin- und hergelaufen 🙄. Wir hatten beschlossen, ihn nicht ins Haus zu lassen, weil er am nächsten Tag ja schon abgeholt werden würde.
8. und letzter Akt: Happy End für Otto
Da in Hessen Allerheiligen kein Feiertag ist, habe ich gearbeitet – allerdings konnte ich im Home Office bleiben. Wie besprochen hat sich Ottos Besitzer noch einmal kurz gemeldet und war dann am späten Vormittag bei uns. Der Eindruck am Telefon vom Vortag hat sich bestätigt. Einen Katzenkorb gab es zwar nicht, aber ein Geschirr, was Otto sich auch ohne Probleme anlegen ließ.
Der Abschied war bitter-süß – ein wenig wie in schnulzigen Filmen. Ich habe ihn raus zum Auto getragen und dann durchs Fenster auf den Sitz gesetzt. Noch einmal über den großen Kopf gestreichelt und dann ist Otto mit seinem Besitzer zurück nach Hause gefahren …
Ottos Besitzer hat sogar nochmal angerufen, dass sie beide wohlbehalten in Weilburg angekommen sind.
Epilog: Mach’s gut Otto!
Mach’s gut Otto! Wir wünschen Dir nach der ganzen Aufregung, dass Du noch viele glückliche Jahre in Deiner Familie lebst 🥰. Auch wenn wir Dich nur zwei Tage kennen gelernt haben, werden wir uns immer mit einem lachenden und einem weinendem Auge an diese intensive Zeit zurück erinnern 😊😥.
Und wenn Dir Thorin über den Weg läuft – Du kennst ja jetzt den Weg zurück zu uns ……


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… Nachtrag: Zum Vergleich zwei Bilder von Thorin ……























































































































































































































