Wir hatten uns -für unsere Verhältnisse schon relativ früh- überlegt, dass wir die Möglichkeit, das Model 3 kostenlos an den Tesla Superchargern zu laden, für eine Rundreise mit dem Wagen nutzen wollten. Schottland ist uns dafür dann doch zu weit, die baltischen Staaten sowieso – letztlich sind wir dann als Ziel in der Bretagne gelandet.
Für den Blogpost stellt sich natürlich die überaus wichtige Frage, in welcher Kategorie der Post einsortiert werden soll 😎 Ich habe mich dann salomonisch entschieden, den ersten Eintrag unter „Auto“ zu posten, und den Rest dann unter „Urlaub“. Schauen wir mal.
PLANUNG IM VORFELD & VERWENDETE TOOLS
Bis ans Ende der Bretagne sind es fast 1.200 Kilometer. Da wir eine Rundreise durch die Normandie und die Bretagne machen wollen, muss man sich über die verschiedenen Etappen im Vorfeld Gedanken machen. Heißt bei uns: Julika 🙄 wälzt Reiseführer, liest im Internet und sucht Hotels bzw. B&Bs raus.
Da wir hier jetzt nicht immer einfach nur auf kürzestem und schnellstem Weg von A nach B wollen, haben wir uns schon Gedanken gemacht, wie das mit der Reichweite des Wagens bzw. den verfügbaren Ladepunkten aussieht. Zum Beispiel wollten wir eine Halbinsel an der Küste entlang umfahren – was dann etwas über 300 Kilometer statt der direkten Verbindung mit 100 Kilometern sind.

Außerdem ist noch ziemlich unklar, wie der Verbrauch in Frankreich dann in der Realität aussieht. In Deutschland fahre ich ja fast ausschließlich Autobahn – Tempomat bzw. Autopilot auf 140 km/h gestellt. Bisher haben wir dabei ca. 10.000 gefahrenen Kilometern einen Durchschnittsverbrauch von knapp über 19 kW/100 km. In Frankreich sind die Tempolimits niedriger als in Deutschland und wir werden natürlich hauptsächlich über die Landstrasse fahren. Insofern erwarten wir eigentlich einen erheblich niedrigeren Verbrauch.
Wir haben die Planung vor allem mit 2 Tools gemacht: der IOS-App ChargeEV und der Website A-Better-Routeplanner.
ChargeEV ist eine App, die das Verzeichnis der Ladestationen der Website Goinig Electric sehr schön darstellt. Das Verzeichnis wird von der Community und ist wohl das vollständigste, was es aktuell gibt.
Die Website A-Better-Routeplanner ist ursprünglich und vor allem zur detaillierten Routenplanung für Tesla-Fahrer entwickelt worden. Sie hat eine ganze Menge an wichtigen Features, die der Tesla-Navigationssoftware fehlen (Ihr erinnert Euch, ich berichtete 😄). Hier kann man eine Route mit beliebig vielen Zwischenstopps planen. Dazu gibt es eine ganze Reihe von „Pro“-Features: Man kann für das „Verbrauchsprofil“ sein konkrete Tesla-Modell auswählen, Abfahrtszeiten und Akkustände bei Fahrtbeginn, sowie minimale Akkustände bei Ankunft definieren, Präferenzen zum eigenen Fahrprofil bis hin zum erwarteten Wetter während der Fahrt (Temperaturen, Wind, etc.). Für Routen mit mehreren Stopps und/oder über mehrere Tage ist das wirklich ein sehr nützliches Hilfsmittel 👍
Über einen Account werden die geplanten Routen auch über mehrere Geräte (inkl. des Teslas) gesynced.

LADESTATIONEN IN FRANKREICH
Frankreich ist mit Tesla’s Superchargern fast so gut bestückt, wie Deutschland. Aus besagten Gründen haben wir trotzdem einige zusätzlichen Ladestationen herausgesucht und eingeplant.

Wir haben uns dabei auf kostenlose Lademöglichkeiten beschränkt, da wir in Frankreich nicht mit irgendwelchen Ladekarten hantieren wollten 🙄. In Frankreich haben zum Beispiel diverse Lidl-Läden und eine Reihe von größeren Supermärkten kostenlose Ladesäulen.

Man trifft relativ oft auf Ladesäulen auf z.B. Parkplätzen – meistens aber nur eine Säule mit 2 Ladepunkten. Manchmal war ein Ladepunkt auch defekt. Das hat uns schon etwas erstaunt, da man E-Autos in Frankreich noch viel seltener sieht, als schon in Deutschland. Ab und zu, echt selten, mal eine Renault Zoe. Die ist aber auch so hässlich, dass man die schon von weitem überall erkennt 😊.
Vor der Rückfahrt hatten wir ein recht gutes Hotel mit Tesla Destination Charger gebucht. Das Hotel ist mitten in der Altstadt von Vitre. Die Parkplätze des Hotels zwei Straßen weiter – nicht überdacht. Der Parkplatz hätte irgendwas um die 10€ gekostet – und das Laden nochmal 15€ 🙄 Da wir mit halb-vollem Akku angekommen sind, hat sich das nun wirklich nicht gelohnt.
Wir sind dann aber aus Zufall in das öffentliche Parkhaus der Stadt geraten – Parken kostenlos und zusätzlich auch noch eine Reihe von kostenlosen Euro-Steckdosen! Sprich da kommen ganze 3 kW raus, aber was Solls: über Nacht ist die Kiste trotzdem voll und wenns kostenlos ist – wer würde sich da beschweren 😂 Übrigens sind die Franzosen mindestens genauso korrekt wie die Deutschen was besondere Berechtigungen betrifft: In der Garage gibts es nämlich einen Parkplatz für Elektroautos mit beeinträchtigten Fahren – sowas hab ich in Deutschland noch nicht gesehen! 😳
DIE RÜCKFAHRT – 900 KILOMETER AN EINEM TAG
Die Rückfahrt waren etwas über 900 Kilometer. Geplant hatten wir mit einem längeren Stopp mit Mittagessen (Ladezeit 45-50 Minuten) und dann zwei kürze Stopps (jeweils so 20 Minuten). Letztlich machen wir sowieso nach 1,5 bis 2 Stunden Fahrzeit einen Fahrerwechsel – und aufs Klo muss man ja auch öfter mal 😉
Der erste Stopp war im Gürtel von Paris – es gab keine relevante Route, die nicht über bzw. An Paris vorbei führte. Hier haben wir dann das erste Mal überhaupt gleich zwei „unschöne“ Situationen gehabt:
- Wir mussten ca. 15-20 Minuten warten, da alle 12 Plätze belegt waren 😳! Und auch tatsächlich von Tesla-Fahrzeugen. Was ja nicht immer so ist, da stehen ja auch gerne mal Nicht-E-Autos irgendwelcher Idioten drauf 😬. Wenn man aber mal vergleicht: In Mogendorf an der A3 (Luftlinie 5 km von Staudt) gibt es insgesamt 12 Tesla Supercharger. In Paris gibt es im Süden 2 Standorte – einmal mit 12 und einmal mit nur 6 Platzen! Ist irgendwie nicht so richtig viel.
- Als wir ankamen, war noch ein Ladeplatz frei – aber der funktionierte mit unserem Wagen nicht 😳. Ein anderer Model 3 Fahrer hat es dann nach uns auch probiert – gleiches Ergebnis. Bisher hatten wir da noch überhaupt keine Schwierigkeiten.
Blöderweise bin ich bei dem zweiten Supercharger-Standort (ausnahmsweise an einem Autobahn-Rasthof) zu weit gefahren, so dass wir nicht mehr an die Ladesäulen zurückkamen 😳😬. Wir hätten entweder an der nächsten Ausfahrt drehen müssen, oder eben bis zum nächsten Supercharger weiterfahren. Wir (OK, ich 😊) haben uns für die zweite Variante entscheiden: Navi sagt 160 Kilometer mit 120 km/h – dann kommen wir mit 5% Akkustand an 🙄. Letztlich waren es dann 8%. Aber Julika fand das nicht sooooo witzig 🙄.
Es ist aber schon echt erstaunlich, wie genau die Vorhersage zum Akkustand ist. Da wird immer zumindest das Höhenprofil berücksichtigt – eventuell auch das Wetter. Muss ich mal im Winter beobachten.
Insgesamt sind wir aber echt entspannt angekommen. Vor allem wegen der leeren Autobahnen in Frankreich, die man über weite, wirkliche WEITE Teile mit dem Autopiloten fahren kann 👍. Dafür ist natürlich auch das generelle Tempolimit hilfreich – muss man zugeben. Und die beiden längeren Pausen zahlen da sicher auch drauf ein.

Hier mal ein Eindruck, wie das Überholen – sprich der Spurwechsel mit Autopilot aussieht. Leider muss man in Deutschland (d.h. mit einem deutschen Auto) den Überholvorgang durch ein Blinken einleiten . In USA entfällt das und der Wagen macht das komplett selbstständig ….
FAZIT
Letztlich hat sich herausgestellt, dass wir mal wieder unnötigerweise übervorsichtig waren 🙄. Insgesamt sind wir etwas über 2.800 Kilometer gefahren. Der Durchschnittsverbrauch lag für die gesamte Strecke bei 16,7 kW/100 km. Also mehr als 10% unter dem bisherigen Verbrauch. Wir sind Etappen gefahren, bei dem wir sogar nur 15 kW benötigt haben 👍 – und wir haben nie besonders auf den Verbrauch geachtet indem wir z.B. die Klimaanlage ausgestellt hätten.
Wir wären ohne Einschränkungen auch nur mit den Superchargern hingekommen. Insgesamt drei der geplanten Ladestopps haben wir komplett ausgelassen (1 Supercharger und 2 Zwischenstopps mit 22/40 kW-Ladesäulen in Einkaufszentren). Zweimal haben wir den Akku auf 100% geladen (was man ja wegen der Akku-Lebensdauer nur in Ausnahmefällen machen soll).






